Antworten auf die häufigsten Fragen zum kindlichen Zehenspitzengang – verständlich erklärt für Eltern, Kinderärzte und Therapeuten.
Grundsätzlich gilt: Je früher eine fachliche Einschätzung erfolgt, desto besser. Faustregel: Wenn Ihr Kind etwa ein halbes Jahr auf Zehenspitzen läuft, sollten Sie einen Termin vereinbaren.
Im Rahmen der Erstuntersuchung erfassen wir die medizinische Vorgeschichte und untersuchen Ihr Kind ausführlich. Zusätzlich beurteilen wir das Gangbild und besprechen, welche weiteren Schritte sinnvoll sind.
Der Kinderarzt ist oft die erste Anlaufstelle und für viele Fragen genau richtig. Zehenspitzengang und andere Ganganomalien bei Kindern sind jedoch ein spezialisiertes Fachgebiet, das häufig eine weiterführende orthopädische oder spezialisierte Beurteilung erfordert.
Eine Erstvorstellung in Hamburg ist ideal, weil dort bei Bedarf auch direkt Maße für orthopädische Hilfsmittel genommen werden können. Für Familien in Deutschland gibt es zusätzlich Spezialsprechstunden an kooperierenden Standorten; für Selbstzahler sowie internationale Familien kann in bestimmten Fällen auch eine erste Einschätzung per Videosprechstunde erfolgen.

Idealerweise beginnt die Behandlung früh, häufig ab etwa dem zweiten Lebensjahr. Grundsätzlich können Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren vorgestellt und behandelt werden.
Das lässt sich nicht pauschal vorhersagen, da Verlauf und Ansprechen auf die Behandlung individuell sehr unterschiedlich sind. Erste Veränderungen können sich früh zeigen, die gesamte Behandlung dauert jedoch häufig mehrere Monate.
Die Dauer hängt vom Alter des Kindes, der Ausprägung des Zehenspitzengangs und dem Ansprechen auf die Therapie ab. Zehenspitzengänger, die vor dem fünften Lebensjahr mit der Behandlung beginnen, brauchen in der Regel zwölf Monate, bis sich ihr Gangbild normalisiert. Nach dem fünften Jahr verdoppelt ich die durchschnittliche Therapiedauer auf 24 Monate. Ist das Kind älter als acht Jahre, braucht es bis zu 36 Monate, um den Zehenspitzengang zu korrigieren.
Viele Kinder können zunächst konservativ behandelt werden. Eine Operation wird nur dann in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg erbringen. Dann hängt eine Empfehlung für eine Operation vom individuellen Befund, der Beweglichkeit und der Ausprägung des Zehenspitzengangs ab.
Auch dann ist eine erneute Beurteilung sinnvoll. In der Erstuntersuchung prüfen wir, welche Maßnahmen bisher erfolgt sind, wie das Gangbild aktuell einzuschätzen ist und ob eine weitere Behandlung weiterhin erfolgversprechend sein kann.
Bei rund 80 Prozent der Kinder normalisiert sich das Gangbild durch konservative Maßnahmen. Bei anderen zeigen die Pyramideneinlagen nicht den gewünschten Effekt. Dann ist eine weiterführende Behandlung sinnvoll, damit nicht wertvolle Zeit verloren geht. Wir geben eine differenzierte Einschätzung, welche Therapie in Betracht kommt.
Bestimmte Formen des Zehenspitzengangs können tatsächlich vererbt werden. Dann kann der Zehenspitzengang z. B. auch als Folge einer neurologischen Erkrankung auftreten.
Ein Gentest kann zusätzliche Hinweise darauf geben, wie der Zehenspitzengang einzuordnen ist und helfen, die weitere Diagnostik gezielter zu planen und unnötige Untersuchungen zu vermeiden.
Nein. Für den Test ist keine Blutentnahme erforderlich. Die Probe wird mit einem Abstrich aus der Mundschleimhaut entnommen und anschließend zur Analyse ins Labor eingesendet.
In der Regel liegt der Befund etwa sechs bis acht Wochen nach Probeneingang vor. Über Abweichungen werden die Familien informiert.
Ein auffälliger Befund bedeutet zunächst, dass eine genauere Einordnung sinnvoll sind. Gemeinsam mit Ihnen besprechen wir die nächsten Schritte und prüfen, welche Form der weiteren Abklärung oder Behandlung empfohlen wird.
Das Testergebnis kann Hinweise darauf geben, welche therapeutischen Maßnahmen besonders sinnvoll erscheinen. Dadurch kann die Behandlung gezielter geplant und im besten Fall früher begonnen werden. Der Befund kann auch die frühzeitige Mitbehandlung von Geschwistern ermöglichen.

Nur wenn die Hilfsmitteltherapie nicht anschlägt oder die Ausprägung des Zehenspitzengangs zu stark ist, empfehlen wir nach individueller Einschätzung eine minimal-invasive Operation nach der Ulzibat-Methode („selektive perkutane Myofasziotomie“). Bei älteren Kindern und fortgeschrittener Muskelverkürzung in den Waden kann jedoch schon als erster Behandlungsschritt eine selektive perkutane Myofasziotomie in Betracht kommen.
Viele selektive perkutane Myofasziotomien können ambulant in unseren kooperierenden Tageskliniken (Verlinkung > Navigationspunkt „Über uns“ > Kooperierende Tagesklinken) durchgeführt werden. Auch aufwendigere Eingriffe sind möglich. Welche Option sinnvoll ist, besprechen wir vorab ausführlich mit Ihnen.
Die Kinder tragen für etwa drei Wochen spezielle Orthesen, sogenannte Turtlebrace-Orthesen. Diese werden unmittelbar nach dem Eingriff angepasst. Die Beine sollten während der Zeit des Tragens mehrmals täglich auf Druckstellen kontrolliert werden.
In vielen Fällen ist eine schnelle Mobilisation möglich und Kinder können bereits am selben Tag des Eingriffs wieder vorsichtig laufen. Mit einer Turtlebrace-Orthese ist in der Regel am ersten Tag nach der OP eine Vollbelastung möglich, bei Bedarf mit Unterarmgehstützen.
In den ersten Wochen ist durch den Einsatz der Hilfsmittel keine Physiotherapie nötig. In komplizierten Fällen kann nach Absetzung der Orthesen eine Physiotherapie sinnvoll sein.
In den ersten zehn Tagen nach der Operation kann Lymphdrainage sinnvoll sein, um eventuelle Schwellungen zu reduzieren und den Heilungsverlauf zu unterstützen.
In Deutschland werden die Behandlungskosten und häufig auch die Kosten für orthopädische Hilfsmittel in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für nicht erstattungsfähige Leistungen sowie für internationale Familien besteht die Möglichkeit einer Selbstzahlerbehandlung.
Die Terminvergabe erfolgt über das Sekretariat der Praxis Pomarino. Bitte wenden Sie sich dafür telefonisch an Tel.: +49 40 51 32 08 80. Oder Sie nehmen per E-Mail Kontakt mit uns auf.
Die Praxis ist auf die Diagnostik und Behandlung von kindlichem Zehenspitzengang spezialisiert. Für Familien aus dem Ausland kann es hilfreich sein, Untersuchung, Therapieplanung und gegebenenfalls orthopädische Versorgung in einem abgestimmten Behandlungskonzept zu bündeln.
Eine Vorstellung in Hamburg ist sinnvoll, wenn vor Ort auch weitere Schritte wie die Versorgung mit Hilfsmitteln geplant sind. In bestimmten Fällen ist für internationale Familien zunächst auch eine erste Einschätzung per Videosprechstunde möglich.
Je nach Versorgung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, etwa Umrisszeichnungen, Trittschaum-Abdrücke oder 3D-Scans. Abhängig vom Bedarf kann das notwendige Material zum Maßnehmen zugesandt oder ein Termin mit einem Techniker organisiert werden.