
Beim Zehenspitzengang (engl. Toe Walking) handelt es sich um eine Ganganomalie, bei der Kinder permanent oder situativ auf dem Vorfuß gehen. Die Ferse berührt nicht den Boden. Der Zehenspitzengang tritt etwa bei 15 Prozent der Kinder zumindest zeitweise auf. Bei den meisten Kindern geht der Zehenspitzengang von allein in ein normales Gangmuster über. Hält der Zehenspitzengang jedoch etwa ein halbes Jahr an, sollte eine spezialisierte Diagnostik und Therapie in die Wege geleitet werden, um mögliche Folgeschäden zu verhindern.
Wenn sich keine neurologischen, orthopädischen oder muskulären Ursachen finden lassen, spricht man vom „habituellen“ oder „idiopathischem“ Zehenspitzengang. Heute wissen wir, dass ein „persistierender“ (andauernder) Zehenspitzengang auch eine genetische Komponente hat und das Symptom einer neurologischen Erkrankung sein kann wie:
Bei diesen Anzeichen sollten Eltern aufmerksam werden:
Körperliche Folgen Durch dauerhaftes Gehen auf den Zehenspitzen können sich Wadenmuskulatur und Achillessehnen verkürzen. Dadurch kann es mit der Zeit schwerer werden, die Ferse vollständig aufzusetzen. Auch die Beweglichkeit im Sprunggelenk kann eingeschränkt werden. In der Folge können belastende Folgeerkrankungen auftreten wie:
Durch dauerhaftes Gehen auf den Zehenspitzen können sich Wadenmuskulatur und Achillessehnen verkürzen. Dadurch kann es mit der Zeit schwerer werden, die Ferse vollständig aufzusetzen. Auch die Beweglichkeit im Sprunggelenk kann eingeschränkt werden. In der Folge können belastende Folgeerkrankungen auftreten wie:
Ein auffälliges Gangbild kann dazu führen, dass Kinder auf ihr Laufverhalten angesprochen oder gehänselt werden. Das kann sich auf ihr Selbstbewusstsein und die soziale Teilnahme auswirken.
Nach wie vor kursieren viele Missverständnisse über den Zehenspitzengang. In unserer Praxis begegnen uns häufig diese drei Irrtümer:
Wenn Kinder beginnen auf Zehenspitzen zu laufen, wird dies häufig als vorübergehende Phase in der normalen Gangentwicklung abgetan. „Das verwächst sich schon“, bekommen Eltern oft zu hören.
Tatsächlich lernen Kinder das Abrollen des Fußes von der Ferse über die Fußsohle zum Vorfuß hin erst mit zwei bis drei Jahren. Bis dahin setzen kleine Kinder ihre Füße häufig mit dem Vorfuß oder ganzen Fußsohle auf. Als Zehenspitzengänger gilt ein Kind, wenn es mehr als 50 Prozent der Zeit auf dem Vorfuß steht und geht. Dann sollten die Eltern einen Spezialisten konsultieren.
Eine belastete Kinderseele oder neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus lösen Zehenspitzengang aus.
Zehenspitzengang ist keine Folge von Autismus. Zwar tritt Zehenspitzengang bei Kindern mit Autismus häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung, aber ein eindeutiger Zusammenhang ist bisher nicht vollständig geklärt. Zehenspitzengang bedeutet also nicht automatisch, dass ein Kind Autismus hat. Auch psychische Ursachen können für Zehenspitzengang ausgeschlossen werden, allerdings kann Stress die Gangstörung verstärken.
Das Kind könnte richtig laufen, aber es hat keine Lust dazu. Es trippelt lieber wie eine kleine Ballerina.
Für das flüssige Gehen sind eine Vielzahl körperlicher Voraussetzungen notwendig. Sind diese nicht gegeben, passen sich die Kinder an – wie beim Zehenspitzengang. Diese Entscheidung wird nicht willentlich getroffen, sondern es geht im wahrsten Sinn des Wortes nicht anders. Deshalb sollten Eltern auch nicht ihre Kinder auffordern, den Gang bewusst zu ändern, da dies Trotzreaktionen hervorrufen kann.