Behandlung

Um eine Behandlung zu empfehlen, klären wir zunächst genau, um welche Form des Zehenspitzengangs es sich handelt. Auf dieser Klassifikation aufbauend, haben wir eine innovative 3-Stufen-Therapie entwickelt.

Drei-Stufen-Modell

Unser Behandlungskonzept ist abgestuft. Um die kleinen Patientinnen und Patienten nicht unnötig zu belasten, werden vorrangig Therapien eingesetzt, die für Kinder am schonendsten sind. Bei der Erstuntersuchung wird festgestellt, welchem Typ des Zehenspitzengangs das Kind zugeordnet werden kann. Danach richtet sich die Therapieempfehlung. Erst wenn sich diese als nicht ausreichend erweist, kommen weitere Behandlungsoptionen in Betracht

Schwerpunkte
Start mit konservativen Maßnahmen
Erweiterung nur bei Bedarf
Regelmäßige Verlaufskontrollen
Minimal-invasive Behandlung nur bei Bedarf
In Stufe 1 kommen speziell angefertigte Pyramideneinlagen zum Einsatz, die durch gezielten Druck das natürliche Abrollen des Fußes fördern.
Erster Therapieschritt

Pyramideneinlagen zur Korrektur des Gangbildes

In der ersten Stufe setzen wir speziell von uns entwickelte Pyramideneinlagen ein. Die Stützelemente befinden sich im vorderen Bereich der Einlage und besitzen eine pyramidenähnliche Form. Durch diese Pyramide entsteht ein unangenehmer Druck, sobald die kleinen Patienten versuchen, auf den Zehenspitzen zu gehen. Durch diese „Mahnfunktion“ werden sie dazu gebracht, mit der Ferse aufzutreten. Nach unseren Erfahrungen reicht bei rund 80 Prozent der Kinder die Behandlung mit Pyramideneinlagen aus, um den Zehenspitzengang dauerhaft zu minimieren.

Wenn mehr Unterstützung nötig ist

Nachtschienen

Zeigt die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg, wird die Therapie im nächsten Schritt um Nachtlagerungsschienen erweitert. Sie halten die Fuß über Nacht in einem 90-Grad-Winkel und verhindern, dass sich die Füße in die Spitzfußhaltung bewegen. Da die Wadenmuskeln im Schlaf entspannt sind, können die Nachtlagerungsschienen ihr optimale Wirkung entfalten, und die bereits verkürzten Muskeln über Nacht passiv dehnen. Bei Bedarf unterstützen wir die Hilfsmitteltherapie mit Botulinumtoxin-Injektionen in den Wadenmuskel. Botulinumtoxin schwächt den Muskel und vermindert die Muskelspannung für eine gewisse Zeit.

Nachtlagerungsschienen werden mit Hilfe eines Gipsabdruckes oder eines 3D-Scans maßgefertigt. Die Orthesen werden für jeden Patienten individuell hergestellt.
In Stufe 3 erfolgt nach genauer Indikationsstellung ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem die funktionstüchtige Muskulatur des Kindes weitestgehend geschont wird.
Nur bei unzureichender Wirkung

Minimalinvasive OP

Nur wenn die Hilfsmittel-Therapie nicht anschlägt, empfehlen wir eine minimal-invasive Operation nach der Ulzibat-Methode („selektive perkutane Myofasziotomie“). Bei diesem Eingriff werden einzelne verkürzte Faszienstränge in der Muskulatur angeritzt oder durchtrennt, um eine verbesserte Dehnbarkeit des Muskels zu erreichen. Die Verkürzung wird so effektiver und anhaltender reduziert als mit Botulinumtoxin.

Therapie ist ein Prozess

Regelmäßige Nachkontrollen für mehr Sicherheit

Der Erfolg der Behandlung wird in festen Abständen überprüft. In der Regel finden die Nachuntersuchungen alle drei bis sechs Monate bei uns in der Praxis oder online statt. Dann überprüfen wir die Wirkung der zugewiesenen Therapie. Auf dieser Grundlage entscheiden wir gemeinsam mit den Eltern, ob die aktuelle Stufe fortgeführt, angepasst oder gewechselt werden sollte.

Fokus der Nachuntersuchung

Sichtung des aktuellen Gangbildes
Überprüfung von Einlagen und Schienen
Regelmäßige Verlaufskontrollen
Besprechung offener Fragen mit Eltern und Kind
Regelmäßige Nachkontrollen begleiten den gesamten Behandlungsverlauf, um den Therapieerfolg zu sichern und frühzeitig nachzusteuern.
Gemeinsam sind wir stark: Bei der Therapie des Zehenspitzengangs können Sie Ihr Kind mit Liebe und Geduld unterstützen – und wenn es sein muss, auch mit Superhelden-Kräften.
Gemeinsam im Alltag

Die Rolle der Eltern

Ein großer Teil der Behandlung des Zehenspitzengangs findet im Alltag statt: beim Tragen der Einlagen und beim Nutzen von Nachtschienen. Hier stellt die Therapietreue einen wichtigen Faktor für den Behandlungserfolg dar. Nur wenn die Hilfsmittel konsequent benutzt werden, können sie optimal wirken. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit akzeptieren die Kinder in der Regel die Einlagen und Nachtschienen. Bis dahin ist die Motivation durch die Eltern wichtig.

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Nicht jede Frage lässt sich allgemein beantworten. Unser Team berät Sie gerne persönlich.